Hochwertiges Trockenfutter mit hohem Fleischanteil!

Dieser Hinweis auf einen hohen Fleischanteil springt einem förmlich von überall entgegen, wenn man im Internet nach dem Begriff “hochwertiges Trockenfutter Hunde” sucht.

Und einfach jedes Mal, wenn mir so ein Text entgegenhüpft, gehe ich wieder hoffnungsvoll auf die Seite des Anbieters (sofern ich ihn noch nicht kenne) und suche nach der Zusammensetzung des Futters (meist unter den Inhaltsstoffen). Es könnte ja sein, dass wirklich mal jemand eine Überraschung für mich bereithält 😛 Was ich dann zu lesen bekomme lautet meist, wie folgt:

  • “25 % frisches Fleisch, 21 % getrocknetes Fleisch” oder
  • “Rind 44% (davon Fleisch 25%, getrocknetes Fleisch 17%)” oder auch
  • “70 % frisches Fleisch”.

Viel Fleisch im Hundefutter, ein Qualitätsmerkmal?

Offensichtlich scheint es den Herstellern eines Hunde-Futters besonders wichtig zu sein, zu zeigen, dass sehr viel Fleisch in ihrem Produkt enthalten ist. Und auch, das das Futter “naturnah” ist und der Ernährung des Wolfes ähnelt. Das sieht man dann auch plakativ auf der Verpackung. Hier sind wahlweise Wölfe abgebildet oder auch große Mengen frisches saftiges Fleisch.

So grundsätzlich, stimme ich dieser Aussage selbstverständlich zu! Denn, wie du vielleicht weißt, bin ich BARF-Beraterin, betreibe einen lokalen BARF-Shop und barfe auch meine Hündin nach dem Beutetierprinzip.

Dafür verwende ich 80 % tierische Bestandteile (durchwachsenes Muskelfleisch und Innereien aus Leber, Niere, Lunge, Milz und Herz, sowie fleischige Knochen) und 20 % pflanzliches (Gemüse/Salat und Kräuter aus dem Garten wie Girsch, Löwenzahn, Brennessel und wenig Obst meist Apfel, Birne oder Banane).

Fleischreich und naturnah, das bedeutet für MICH, dass ein Futter mindestens 70% Fleisch enthält.

Wenn dem mal so wäre …

Warum das bei Trockenfutter aber eine Mogelpackung ist, möchte ich dir jetzt zeigen. Und, wie gesagt – ich habe ALLE diese Beispiele auf meiner Suche nach hochwertigem Trockenfutter gefunden und einfach wahllos 3 davon als Beispiel hergenommen:

Beispiel 1: “25 % frisches Fleisch, 21 % getrocknetes Fleisch”

Warum wird hier überhaupt getrennt? Damit an erster UND zweiter Stelle der Zusammensetzung Fleisch steht? Vielleicht auch.

Der Hauptgrund ist wohl, das unterschieden wird zwischen FRISCHEM Fleisch und GETROCKNETEM Fleisch. Frisches Fleisch enthält nämlich 70 % Wasser. Getrocknetes Fleisch enthält meist nur noch 10% Restfeuchte, deshalb ziehe ich von FRISCHEM Fleisch immer 60 % ab.

Aber ist in TROCKENfutter frisches Fleisch drin? NEIN – da ist im Endeffekt alles getrocknet. Trotzdem wird in der Zusammensetzung mit frischem Fleisch “geworben” obwohl der Rest der Zutaten in getrockneter Form angegeben wird. Wenn man aber 60% Wasser von den 25 % frischem Fleisch abzieht, bleiben nur noch 10% übrig.

Und damit enthält dieses Futter eben nicht die beworbenen 46% Fleischanteil, sondern eben nur 31 % Und damit etwa ein Drittel für den Hund schwerverdauliche pflanzliches Bestandteile.

Beispiel 2: “Rind 44% (davon Fleisch 25%, getrocknetes Fleisch 17%)”

Rind 44 % Ok, klingt nicht weltbewegend viel für ein “fleischreiches hochwertiges Trockenfutter” aber immerhin. Nun klingeln meine Alarmglocken schon leise in der Ferne, denn “RIND” kann quasi alles sein. Vom Huf bis zu den Gedärmen. Zum Glück steht eine Klammer dahinter, die für uns aufschlüsselt, aus was die 44 % bestehen.

25 % Fleisch – klingt gut – und 17 % GETROCKNETES Fleisch… öh, und das erste “Fleisch” war dann beim wiegen wohl nicht getrocknet.

OK – wir rechnen wieder, wie oben, 60% Wasser raus und – kommen auf 10 %. Das heißt, insgesamt sind nur 27% Rind in diesem Futter enthalten.

Ganz geschickt ist Beispiel 3 mit sagenhaften 70 % frischem Fleisch – WOW. 

Aber – wie du jetzt weißt, ist FRISCHES Fleisch VOR der Trocknung gewogen. Auch hier muss man wieder 60% Wasser rausrechnen, die in einem TROCKENfutter einfach nicht mehr drin sind. OK – da dieses Produkt eine Restfeuchte von 19 % hat, rechne ich nur 51 % Wasseranteil raus.

Es bleiben: GANZE 34 % FLEISCH im Gesamtfutter. 

FAZIT

Wenn DU ein “hochwertiges Trockenfutter” suchst und damit ein “fleischreiches” Trockenfutter meinst, dann muss ich dir leider sagen – es gibt keins. Alleine der Herstellungsprozess von herkömmlichen Trockenfutter mittels Druck und Hitze erfordert es, dass große Mengen pflanzlicher Binde- und Klebestoffe (wie Stärke) drin sein müssen. Sonst würden die Brocken ganz einfach auseinanderfallen.

Wusstest du das “frisches Fleisch” immer VOR der Trocknung gewogen wurde? Und – was steht auf deinem “hochwertigen” Trockenfutter? Schreib’s mir in die Kommentare!

Wer schreibt hier?

Ich bin Yvonne Bach. Lebenslustig, pragmatisch, ehrlich Verheiratet. Mama von zwei tollen Kindern und Besitzerin einer Setter Dame aus Italien.

2021 startete mein EINFACH-BARFEN-ONLINEKURS in dem ich Hundehaltern in 3 Monaten zeige, wie sie den Barfplan für ihren Hund ganz einfach und sicher selbst erstellen können. In meiner BARF-COMMUNTY lernt du außerdem ganz viel über Ernährung und Gesundheit des Hundes.