“Das heißt, ich habe nichts falsch gemacht? Denken Sie nicht, dass ich meinem Hund damit geschadet habe???” Die Anruferin fängt vor Erleichterung an zu weinen und ich bin bestürzt. Wie kommt es nur dazu, dass jemand so verunsichert und voller Angst ist? Und was macht das mit dem Hund?

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Inhaltsverzeichnis:

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Frag drei Leute und du bekommst vier verschiedene Antworten

Kaum hast du einen Hund oder ein Problem mit deinem Hund, bekommst du, gefragt oder ungefragt, von überall her plötzlich gute Ratschläge und Handlungsempfehlungen. Gerade, wenn du in einer Sache noch unerfahren bist und eigentlich Bestätigung von außen suchst, kann das stark verunsichern. Denn kaum denkt man, man hätte eine Entscheidung getroffen, kommt jemand daher und hält das für “keine gute Idee”.

Widersprüchliche Informationen verstärken die Unsicherheit

Egal ob das Internet, der Nachbarn oder der Therapeut. Es scheint jeder zu wissen was das Richtige ist. Aber wie kann es sein, dass die Aussagen sich dann so extrem widersprechen? “Die Salmonellen kommen vom Barffleisch!”, “Trockenfutter tötet deinen Hund”, “Der Hund braucht Stärke. Studien beweisen, er ist ein Allesfresser”, “Auf keinen Fall Getreide füttern!”, “Bloß KEIN Antibiotikum geben! Das zerstört die Darmflora!”, “Ohne dieses Medikament wird der Hund nicht gesund!”, “Barf ist das einzig wahre Futter!”

Ok, was das Futter angeht, ist die Antwort eigentlich einfach. Niemand WEISS, was genau das perfekte Futter ist. Ich persönlich habe halt die Erfahrung gemacht, dass meine Hunde und auch die meiner Kunden mit Trockenfutter und minderwertigem Nassfutter Probleme bekommen haben: Juckreiz, Nervosität, wiederkehrende Ohrenentzündungen…

Alles nur Meinungen basierend auf Erfahrung

Die Theorie, sich bei der Fütterung am Wolf zu orientieren erscheint mir persönlich einfach logisch. Der Hund hat noch dasselbe Gebiss, den gleichen kurzen Verdauungstrakt, wie ihn wildlebende Beutefresser haben. Er ist aufgrund seiner Anatomie eben weder ein Alles- noch ein Pflanzenfresser. Und auch, wenn er gezwungen war, sich an die Nahrung des Menschen anzupassen und das überlebt hat, heißt das doch noch lange nicht, dass man ihn jetzt weiterhin so ernähren muss, oder? Meine Meinung.

Die Wissenschaft und die Ernährung

Selbst beim Menschen kann sich die Wissenschaft nicht einigen. Ständig gibt es neuen Erkenntnisse. Was vor ein paar Jahren noch total verpönt war, wird jetzt empfohlen (Stichwort Eier und Cholesterin oder Fett macht fett). Aber was sich so ganz langsam durchsetzt ist auch: gesunde Ernährung könnte einfach individuell sein.

Es gibt nur EINE Lösung? Das ist Bullshit!

Jemand, der behauptet, dass er DIE Lösung für dein Problem hat, lügt. Es gibt nie nur eine Lösung. Und ein Therapeut kann nie jedem helfen. Das hätten wir gerne, Tierhalter genauso, wie Therapeuten. Denn dann wäre das Leben einfacher und der Therapeut hätte immer Recht.  😉

Verantwortung für einen Hund zu haben kann beängstigend sein

Gerade in Gesundheits- und damit auch in Ernährungsfragen sind wir Tierbesitzer sehr empfänglich für Einwände und Kritik (ich kenne das, ich bin ja selbst einer). Derjenige, der den Einwand vorträgt KÖNNTE ja recht haben. Und was dann? Was, wenn mein Hund durch meine Schuld unwiderruflich geschädigt wird?

Da wir vollverantwortlich für das Wohlergehen unseres Tieres sind – schließlich kann es sich nicht selbst versorgen –  fühlen wir uns leicht schuldig und gehen gerne den “sicheren” Weg. Aber gibt es überhaupt einen sicheren Weg? Das was der Tierarzt vorschlägt? Das was der Hundetrainer sagt? Das was den Hunden unseres Nachbarn 16 Jahre lang gut getan hat? Oder das was die Werbung anpreist? Ich denke nicht.

Einfache Lösungen, überzeugend vorgetragen, ziehen uns an

Man hört gerne auf Menschen die ihre Meinung als allgemeingültige Lösung für dein Problem verkaufen und dabei unfassbar überzeugend sind. Ich möchte dir als Tierhalter und Therapeutin aber sagen: Wenn diese Lösung bei deinem Hund nicht oder nicht langfristig funktioniert, dann ist das weder deine Schuld, noch die Schuld des Therapeuten. Es ist einfach nicht DEIN Weg. Versuch was anders.

Triff eine Entscheidung und gehe den Weg

Ich ermutige “meine” Tierhalter dazu, das ständige schlechte Gewissen abzulegen, darauf zu schauen was ihrem Hund gut tut und hilft und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Es geht nicht darum immer alles richtig zu machen. Es geht darum, Entscheidungen (auch die Wahl eines Therapeuten) nach besten Wissen und Gewissen zu treffen. Das ist ein Weg. Das darf sich entwickeln. Das ist nichts, was einmal entschieden unabänderlich ist. Du darfst dich auf diesem Weg auch neu orientieren und einen anderen Weg weitergehen.

Wie du Entscheidungen leichter treffen kannst, dazu habe ich einen weiteren Artikel geschrieben.

Entscheidung getroffen? Zieh durch!

Wenn ich sage, du darfst dich auch wieder umentscheiden, dann meine ich nicht, dass du von Therapeut zu Therapeut hüpfen sollst, wenn etwas im 1. oder 2. Versuch nicht klappt.

Du kommst nicht weiter, wenn du Tipps nur halbherzig umsetzt. Wenn etwas nicht funktioniert, frag nochmal nach. Erkläre deine Bedenken und Sorgen, geh in den Austausch! Aber – lass dir keine Angst oder ein schlechtes Gewissen einreden! Und vor allem verzweifle nicht. Du hast deinen Weg einfach noch nicht gefunden.

Funktioniert trotzdem nicht? Lass los und schau nach Alternativen.

Ja – lass unbedingt los, wenn es nicht funktioniert. Egal was es ist. Ein Hundetraining, das Futter, den Futterzusatz… Ich mache das auch. Weniger ist mehr. Ich nehme das mit, was hilft, was meinem Hund (oder denen meiner Kunden) hilft und gehe weiter. Und nein – auch mir fällt das nicht immer leicht. Aber nur so lernt man dazu. Mein Wissen entwickelt sich ständig weiter und meine Meinung auch. Das passiert, wenn man zulässt dass man NIE alles weiß. Und wenn man erkennt, dass es auch niemand anderen gibt, der alles weiß.

Du solltest nicht die Verantwortung für die Gesundheit deines Hundes komplett auf eine andere Person übertragen, nur weil sie eine Ausbildung oder ein Studium hat, und dann böse sein, wenn es nicht klappt. Sie eine Behandlung oder Beratung immer als neue Chance – nie als “letzte Rettung”.

Übernimm die Verantwortung und hör auf dein Bauchgefühl.

Du bist diejenige die deinen Hund täglich sieht. Wenn du das Gefühl hast, etwas tut ihm nicht gut, dann kommuniziere das deinem Therapeuten und lass dir nicht einreden dass müsste so sein. Klar gibt es manchmal Phasen, durch die man durch muss. Aber diese sollten schon im Vorfeld klar kommuniziert sein und nicht wochenlang andauern. Wenn dein Bauchgefühl NEIN schreit, dann hör darauf. Such dir eine Unterstützung die dich und deinen Hund stärkt. Auch und vor allem mental.

Angst und Stress übertragen sich auf deinen Hund

Dein Hund wird merken, wenn du ihn mit schlechtem Gewissen fütterst oder prüfend betrachtest. Er bemerkt dein schlechtes Gewissen, deine Angst. Er wird selbst nervös – weil er merkt, da stimmt was nicht. Vielleicht verweigert er das Futter, vielleicht wird er krank oder zeigt nervöse Symptome wie Durchfall oder Unruhe. Angst hat auch immer einen Einfluss auf unser zentrales Nervensystem unseren Darm und und unsere Immunabwehr.

Beobachten ohne zu bewerten

Mach mal die Augen zu und denke an deinen Hund. Wenn du ihn anschaust, bist du dann auf der Suche nach Symptomen? Tastest du beim Streicheln nach Zecken, weil du Angst hast, dein Hund bekommt Borreliose? Oder nach Knubbeln, weil du Angst vor Krebs hast? Begutachtest du das Fell nach kahlen Stellen, weil dein Hund schon einmal Haarausfall hatte?

Ich sage nicht, dass man das man nie nach diesen Dingen schauen sollte. Aber man kann eine Zecke auch einfach entfernen ohne dabei an Borreliose zu denken. Man kann einen Knubbel fühlen und einfach mal beobachten ob er größer wird. OHNE Angst zu empfinden, dass jetzt das Schlimmste passiert.

Eine kleine Übung für dich, gegen Angst und Sorgen

Mach die Augen zu und denk an deinen Hund.

Und jetzt fühl mal rein: Wie fühlt sich dein Bauch an? Ist der angespannt? Wie ist deine Atmung? Atmest du flach und kurz oder atmest du tief in den Bauch hinein?

Mach dich mal ganz weit – streck die Arme weit zur Seite aus, setz dich gerade hin, lass Luft in deinen Brustkorb strömen und atme einige Male tief in den Bauch ein.

Und jetzt mach die Augen auf und schau deinen Hund an.

Welche drei Sachen fallen dir ein, die du an deinem Hund richtig toll findest oder für die du von Herzen dankbar bist?

Hast du drei Dinge gefunden, bei denen dir richtig warm ums Herz wird?

Schließe jetzt nochmal die Augen.

Wie fühlst du dich jetzt? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

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Mach diese Übung ruhig regelmäßig. Übe dich in Dankbarkeit dessen, was da ist und was gut ist. Unser Hirne sind oft darauf programmiert vor allem mögliche Gefahren wahrzunehmen. Das war mal Überlebenswichtig, Deshalb sind wir so empfänglich dafür.

Aber wenn du überall nur noch mögliche Probleme wahrnimmst, fängst du an Gespenster zu sehen und ja – Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wo wir Probleme sehen, entstehen Probleme.

Dein Hund geht nicht so leicht “kaputt”

Wenn Hunde durch “falsche” Fütterung so schnell Schaden erleiden würden, dann wären sie schon ausgestorben. Es ist kein Drama, wenn dein Hund mal etwas vom Tisch bekommt.

Solche Dinge werden mir aber ganz oft wie ein großes Geheimnis “anvertraut”. Dabei ist es doch OK! Du brauchst dich deswegen nicht schlecht zu fühlen. Genieß den Moment!

Verträgt er es, oder verträgt er es nicht?

Die große Frage ist doch bei all diesen Fütterungsfragen immer: Verträgt dein Hund das? Ist er gesund? Ist er normalgewichtig? Hat er Energie?

Und hier ist es auch ganz wichtig, sich selbst nicht anzulügen. Wenn dein Hund kahle Stellen im Fell, ständig widerkehrende Ohrenentzündungen hat oder ihm alle paar Wochen die Analdrüsen ausgedrückt werden müssen, dann ist eben nicht “alles OK”. Und ja – das kann am Futter liegen.

Gewohnheiten kann man modifizieren

Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, egal, was du in der Vergangenheit gefüttert hast – die Hauptsache ist doch, dass du JETZT erkannt hast, dass es deinem Hund nicht gut damit geht. Und wenn du deinem Hund weiterhin morgens etwas vom Tisch füttern willst, aber er verträgt das Butterbrot mit Wurst nicht, dann versuchen wir gemeinsam etwas zu finden, das er verträgt. Für mehr Gesundheit, Lebensfreude und Spaß. Am Füttern und am Futtern.

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Wer schreibt hier?

Ich bin Yvonne Bach. Lebenslustig, pragmatisch, ehrlich. Verheiratet. Mama von zwei tollen Kindern und Besitzerin einer Setter Dame aus Italien. Seit 2008 berate ich Tierhalter als Tierhomöopathin und habe mich 2018 auf die gesunde Ernährung von Hunden spezialisiert.

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