“Mein Hund übergibt sich täglich und der Tierarzt sagt, es gibt halt Hunde…

… die vertragen das rohe Fleisch irgendwann nicht mehr. Ich habe auf ein spezielles Trockenfutter umgestellt und es geht meinem Hund wieder gut. Wir stellen jetzt ganz auf dieses Trockenfutter um.” erzählt meine Kundin mir begeistert. Während ich erst mal schlucken muss.

Der verträgt halt kein Barf

Ich finde, die “Schublade” aufzumachen und den Hund als “der verträgt halt kein Barf” abzustempeln ist einfach zu leicht. Geh doch mal von dir selbst aus: Wenn dein Bauch mal weh tut, weil du z.B. eine Magenschleimhautreizung hast, stellst du doch auch nicht dein Leben lang auf  Astronautennahrung oder Schonkost um, oder?

Das machst du nur so lange, bis es dir wieder besser geht und dann versuchst du wieder “normal” zu essen. Weil leckeres, abwechslungsreiches Essen ganz einfach Lebensqualität ist.

Alternativen zu “klassischer Schonkost”

Jenseits der “klassischen Schonkost” mit vielen Kohlenhydraten (Reis/Kartoffeln) oder der kompletten Futterumstellung gibt es noch so viele andere Möglichkeiten! Eine Auswahl davon, möchte ich dir hiermit an die Hand geben. Springe direkt zu den Tipps bei Grasfressen und Erbrechen.

Es gibt sie, die Hunde, die keine Rohfütterung vertragen

Aber sie sind wesentlich seltener als man denkt. Wirklich. Und ja, dann muss man eine Alternative suchen, definitiv. Ich bin die letzte, die auf Biegen und Brechen rohes Futter durchsetzen will, wenn der Hund es nicht verträgt. Aber man kann doch vorher erst mal schauen ob es eine leicht zu beseitigende Ursache für die Probleme gibt. Dafür gibt es viele bessere Möglichkeiten als Trockenfutter.

“Mit dem Spezial-Trockenfutter geht es meinem Hund wieder gut”

Das ist tatsächlich total logisch! Weil im Trockenfutter kaum etwas drin ist, was der Hund noch verdauen müsste. Magen und der Bauchspeicheldrüse sind urplötzlich entlastet und – zack – sind die Symptome weg. Warum das aber nur oberflächlich und kurzzeitig “gut” ist, erzähle ich dir jetzt.

Schauen wir uns doch so ein Futter erst mal genauer an. Ein typisches Trockenfutter “in Weiß” für Hunde mit Magen-Darm-Problemen, enthält z.B.: Reis, Geflügelprotein (getrocknet), Mais, Tierfett, tierisches Protein (hydrolysiert), Hefen, Ei getrocknet, Rübentrockenschnitzel, Sojaöl, Mineralstoffe, Pflanzenfasern, Fischöl, Spelzen und Flohsamen (Quelle für schleimige Substanzen), Fructooligosaccharide (0,5%), Hefehydrolysat (Quelle für Mannanoligosaccharide) (0,2%), Ringelblumenextrakt (Quelle für Lutein).

Die erste Zutat ist Reis. Das heißt, Reis ist der Hauptbestandteil dieses Futters. Dieser enthält viele Kohlenhydrate. Kohlenhydrate werden im Körper zu Zucker umgewandelt. Die Energiegewinnung bei diesem Futter findet also nicht durch die Verstoffwechselung von Fett statt, wie beim Barfen, sondern durch die Umwandlung von Kohlenhydraten in Zucker.

Die zweite Zutat ist Geflügelprotein. Dazu musst du wissen, das “Protein” das neue “tierische Nebenerzeugnis” ist. Das kann einfach alles vom Geflügel sein. Auch Federn, Füße, Köpfe oder schwerverdauliches Bindegewebe und Knorpel. Im wahrscheinlichsten Fall halt das, was sich anderweitig nicht verkaufen lässt – weder an den Menschen noch an die Barfindustrie. Also im Klartext: Schlachtabfälle und wohl kaum hochwertiges Muskelfleisch oder Innereien, denn sonst würde Fleisch da stehen oder zumindest die genaue Tierart.

Die dritte Zutat ist Mais. Ein bekannter Allergieauslöser. Mais enthält sehr viel Stärke. Und auch Stärke wird im Körper zu Zucker umgewandelt.

Außerdem hydrolysiertes tierisches Protein. Was heißt hydrolysiert? Das Protein wird chemisch in seine Einzelteile zerlegt. Das heißt nichts anderes, als das dem Hund die Verdauungsarbeit abgenommen wird. Durch den Prozess der Hydrolyse sind sogar Proteine gegen die der Hund eigentlich allergisch reagiert plötzlich gut verträglich. Klingt toll? Ja – auch hier wieder – oberflächlich betrachtet schon. Aber es beseitigt nicht die Ursache der Probleme, sondern umschifft sie nur. Außerdem führt es dazu, dass Verdauungsenzyme nicht mehr produziert werden. Denn sie werden schlicht nicht mehr gebraucht. Die Folge kann im blödesten Fall sein, dass dein Hund irgendwann gar kein anderes Futter mehr verdauen kann. Wenn dann die Rezeptur geändert wird und dein Hund dieses Futter auch nicht mehr verträgt hast du ein richtiges Problem.

Rübentrockenschitzel sind ein Nebenprodukt der Zuckerrübenindustrie. Um Zucker zu gewinnen werden die Zuckerrüben zerkleinert und ausgekocht. Die entzuckerten ausgekochten Pflanzenteile werden Trockenfutter gerne als Ballaststoff und günstiger Füllstoff zugemischt.

Sojaöl ist für den Hund schwer zu verstoffwechseln und enthält darüber hinaus viele entzündungsfördernde Omega-6 Fettsäuren.

Für konventionell hergestelltes Trockenfutter wird das alles pulverisiert, zerkocht, in Form gepresst und getrocknet. Damit der Hund es frisst und nicht vor dem vollen Futternapf einen Nährstoffmangel erleidet, werden Aromen und Vitamine in flüssiger Form auf die Pellets aufgetragen und Mineralstoffe zugesetzt.

Ich zähle in diesem Futter zehn pflanzliche und nur fünf tierische Bestandteile. An 1. und 3. Stelle stehen Reis und Mais. Hochverarbeitet (zerkleinert und gekocht) damit sie keine Probleme bereiten. Für einen gebarften Hund, dessen Verdauung an die Energieversorgung aus Fett, an hochwertiges tierisches Protein und die Vitaminversorgung aus Innereien gewöhnt ist, ist das ernährungstechnisch eine Katastrophe.

Und trotzdem wirkt es …

… weil der Hund nichts davon mehr großartig verdauen muss. Weil er auf nichts allergisch reagieren kann. Weil die Verdauung im Dünndarm durch den großen Anteil pflanzlicher Bestandteile ironischerweise entlastet wird. Aber es ist maximal minderwertige Schonkost. Keine Dauerkost!

Wie BARF verdaut wird

Beim Barfen werden tierische Eiweiße und Fette vor allem im Dünndarm mithilfe von Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse und der Galle schnell und effizient aufgespalten und dem Körper zugeführt. Im Dickdarm kommen nur noch schwer- oder unverdauliche Futterbestandteile an. Im besten Fall die 20% pflanzlichen Bestandteile deiner Barfration, die dort als Nahrung für die guten Darmbakterien fungieren. Ansonsten passiert im Dickdarm nicht mehr viel, außer das den Futterresten das Wasser entzogen wird.

Gastrointestinal-Trockenfutter ist künstlich vorverdaut

Es wurde bereits aufgespalten zerkleinert, gekocht, hydrolysiert und der große Anteil für den Hund schwerverdaulicher pflanzlicher Bestanteile sorgt dafür, dass das Futter zu großen Teilen unverdaut im Dickdarm landet. Dort werden aus der Not heraus große Mengen kohlenhydratverdauende Bakterien gebildet, damit dein Hund überhaupt etwas von dem Futter verwerten kann.

Was daran funktioniert ist:

  • die Bauchspeicheldrüse hat Pause,
  • der PH-Wert im Magen und im Darm steigt durch den hohen pflanzlichen Anteil an, so dass die Schleimhäute sich erholen können (weil die Magensäure nicht mehr so agressiv ist).
  • Bauchspeicheldrüse und Galle haben Pause, weil sie kaum mehr benötigt werden.

Schlecht daran ist:

  • die Not-Situation in die man den Hund bringt,
  • die plötzliche Umstellung der Energiegewinnung von Fett auf Zucker (Stärke und Kohlenhydrate),
  • die Verschiebung der Verdauung in den Dickdarm,
  • die Belastung von Leber- und Niere durch Stoffwechselmüll. Aber vor allem,
  • dass dieses Futter als Dauerlösung präsentiert wird.

Hochwertige Schonkost, wenn dein gebarfter Hund sich erbricht und viel Gras frisst.

  • Überprüfe mal, ob du vielleicht einfach zu oft fütterst.
  • Verzichte auf schwerverdauliches! Knorpel und Pansen/Blättermagen bestehen aus schwerverdaulichem Bindegewebe. Lass sie weg.
  • Reduziere Fett. Oft ist die Bauchspeicheldrüse gereizt, durch Fettreduktion kannst du sie entlasten. Bitte mach das aber nur in Maßen/kurzzeitig. Dein Hund braucht einen gewissen Fettanteil im Futter (15 % im Muskelfleisch) zur Energiegewinnung.
  • Das gewohnte Futter (ohne Knochen!) eine Zeit lang überbrühen. Das heißt, mit heißem Wasser übergießen. Du kannst es auch anbraten oder kochen. Wichtig ist, das Kochwasser ggf. mitzufüttern. Damit ist das Fleisch etwas vorverdaut und der Magen/Darm bzw. die Bauchspeicheldrüse kann sich erholen.
  • Schleimstoffe füttern: Etwas Morosuppe, Slipery Elm oder gequollene Flohsamenschalen 20 Minuten VOR dem gewohnten Futter anbieten. Die Schleimstoffe kleiden den Magen/Darm etwas aus und können helfen die gereizten Schleimhäute zu beruhigen.

 

BITTE BEACHTEN: Diese Tipps gelten nur für Hunde die sich zwar erbrechen aber ansonsten fit sind. Sollte dein Hund sehr stark angeschlagen sein oder schlapp wirken, dann lass ihn auf jeden Fall sofort beim Tierarzt checken und ggf. behandeln.

 

Ein/e Ernährungsberater/in für Hunde kann helfen

Schreib mir gerne, wenn du Tipps oder Beratung zur weiteren Fütterung benötigst, oder wende dich an deine/n Ernährungsberater/in. Denn oft klappts mit Schritt-für-Schritt-Anleitung und gezielten Maßnahmen einfach besser als allein. Es kann helfen, jemanden an deiner Seite zu haben der die Reaktionen deines Hundes auf die Schonkost besser einzuschätzen kann und dir gegebenenfalls andere/weitere Maßnahmen an die Hand gibt.

Manchmal ist zum Beispiel ein Wechsel der Fleischsorten nötig. Damit findet man heraus, ob eine Unverträglichkeit vorliegt (Bluttests sind dafür nicht sinnvoll). Vielleicht enthält dein Futter aber auch zu viele/zu wenige oder die falschen pflanzlichen Bestandteile. Oder etwas stimmt grundsätzlich mit der Zusammensetzung deiner Futterration nicht.

Bitte nicht alles auf einmal

Das sind alles Dinge, die man nacheinander versuchen kann. Meist reichen aber schon 1-2 Maßnahmen, wie den Pansen wegzulassen und das Futter kurzzeitig überbrühen, um wieder Ruhe in die Verdauung zu bringen.

Ich freue mich sehr über Rückmeldung von dir als Kommentar, ob die Tipps dir geholfen haben und wünsche deinem Hund GUTE BESSERUNG!

Wer schreibt hier?

Ich bin Yvonne Bach. Lebenslustig, pragmatisch, ehrlich. Verheiratet. Mama von zwei tollen Kindern und Besitzerin einer Setter Dame aus Italien. Seit 2008 berate ich Tierhalter als Tierhomöopathin und habe mich 2018 auf die gesunde Ernährung von Hunden spezialisiert.