“Übersäuerung”

Dieses Wort mag ich eigentlich gar nicht. Und doch nutze ich es hier so plakativ. Weil es – naja – eben plakativ ist. Weil jeder davon spricht. Aber wusstest du, dass es verschiedene Arten von Übersäuerung gibt?

Ist eine Übersäuerung dasselbe wie eine Übersäuerung?

Es gibt tatsächlich mehrere Möglichkeiten, was mit Übersäuerung gemeint sein kann. Deshalb hier mal drei mögliche Definitionen:

  1. Die Übersäuerung des ganzen Körpers: Eine durch die Ernährung ausgelöste “chronische Übersäuerung”, die auch für viele chronische Erkrankungen verantwortlich sein soll.
  2. Die akute Übersäuerung, die lebensgefährliche akute Azidose.
  3. Die “Übersäuerung” des Magens, die sich zum Beispiel durch Sodbrennen, Leckanfälle – sogenante “Licky fits” und das Erbrechen von Magensäure äußern kann.

Die sogenannte “chronische Übersäuerung”

Im 17. Jahrhundert entstand die Theorie, eine Übersäuerung des Körpers sei verantwortlich für viele Krankheiten. Damals entwickelte sich diese Annahme im Rahmen der 4-Säfte-Lehre. Im 20. Jahrhundert holten ein paar Diät-Begründer (zum Teil Ärzte und Biochemiker), diese Theorie wieder aus der Schublade und machten sie bekannt. So sollte vor allem Fleisch aber auch eine Reihe anderer Lebensmittel für eine Übersäuerung verantwortlich sein. Die Begründung: Die Asche dieser Lebensmittel enthielt nach dem Verbrennen besonders viele Anionen, die nach dem damaligen Stand für “sauer” standen (das ist heute widerlegt). “Bestätigt” wurde diese These dadurch, dass Fleischesser passend dazu einen sauren Urin, Vegetarier jedoch einen basischen Urin aufwiesen.

Nun ist es jedoch so: Der PH-Wert des BLUTES wird vom Körper AUTOMATISCH streng reglementiert. Er liegt immer zwischen 7,37 und 7,43. Jede kleine Abweichung wird vom Körper sofort korrigiert.

Ein gesunder Körper scheidet dann zum Beispiel überschüssige Säure über die Atemluft, den Schweiß oder den Kot aus. Vor allem aber über die Nieren, nämlich den Urin. Das ist ein ganz normaler Stoffwechselvorgang des Körpers und absolut nicht ungesund, sondern normal. Dafür sind die “Ausscheidungsorgane” nämlich da. Logisch, dass dann der Urin “sauer” ist, also einen niedrigen PH-Wert hat, denn das Saure soll ja raus aus dem Körper.

Saurer Urin, also ein Urin mit einem niedrigen PH-Wert ist aber nicht nur Mittel zum Zweck sondern sogar sinnvoll! Denn so werden Keime in den Harnwegen abgetötet und einer Entzündung der harnableitenden Organe ganz natürlich vorgebeugt.

Und ja – eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost mit viel Gemüse ist für einen MISCHKÖSTLER, wie den Menschen, durchaus sinnvoll. Ein dauerhaft basischer Urin kann aber eben auch beim Menschen zu schlimmen Blasenentzündungen führen (ich spreche da übrigens aus eigenener Erfahrung 😉 ).

Unsere Hunde (und Katzen) sind aber als BEUTEFRESSER auf fleischreiche Kost angewiesen. Ihr ganzer Körper ist auf die Verdauung und Verstoffwechselung von Fleisch, Innereien, Knochen usw. ausgerichtet.

Durch die Verfütterung von viel pflanzlicher Kost verschiebt sich die Verdauung im Darm vom Dünndarm in den Dickdarm und DORT entsteht dann viel problematischerer Stoffwechselmüll, wie zum Beispiel die hoch zellgiftigen Abbauprodukte von Ammoniak. Deshalb halte ich den Versuch einen Hund (und erst recht eine Katze) basisch (pflanzenreich) zu ernähren schlicht für falsch und sogar für gesundheitsgefährdend.

Die akute Azidose

Wenn der Körper durch eine Fehlfunktion der Organe (akute oder chronische Erkrankung) nicht mehr in der Lage ist mittels Atemluft, Urin, Kot oder Schweiß, die überschüssigen Säuren aus dem Körper zu bringen kann es zu einer akuten Azidose kommen. Diese besteht, wenn der PH-Wert des Blutes unter 7,35 fällt.

Eine Azidose kann ausgelöst werden durch Medikamentenvergiftung (z.B. Aufnahme von Diclofenac, Phenylbutazon oder Ibuprofen), lange Fastenzeiten, extreme Überbelastung, Schock, anhaltenden Durchfall, Diabetes, Nierenversagen oder auch wenn die Atmung nicht richtig funktioniert (z.B. bei Asthma).

Je nach Ursache treten verschiedene Symptome auf: Bei Verlegung der Atemwege/Asthma steht die Atemnot im Vordergrund. Diese kann sich auch bei Katzen durch Hecheln und starke Bauchatmung zeigen. Bei Nierenversagen und Flüssigkeitsmangel/Entgleisung der Elektrolyte, stehen Übelkeit, Appetitlosigkeit und Lethargie im Vordergrund. Später kann es zu Krämpfen und Koma kommen.

Die Behandlung ist abhängig von der Ursache. Eine anhaltende akute Azidose führt zum Tod.

„Zu viel“ Magensäure

Wenn ich jedoch von meinen Kunden mit dem Thema Übersäuerung konfrontiert werde, dann geht es meist darum, dass der Hund Magensäure erbricht (oft nachts/morgens vor der Fütterung). Dass er „Leckanfälle“ hat. Oder öfter aufstößt. Je nach Ausprägung wird auch massenhaft Gras gefressen und dann erbrochen. Der Hund beleckt hektisch alles Mögliche und im Extremfall kann es auch zum Fressen von unverdaulichem kommen wie Fugenmasse, Sand, Steinen, aber auch Spielzeugen. Es kann sein, dass er in der sogenannten “Gebetsstellung” steht (Vorderbeine unten wie bei der Spielaufforderung, Hinterbeine stehend – jedoch oft und ohne entsprechenden Anlass). Damit entlastet er den Bauch. Manche Hunde gähnen auch ständig und vor allem in Verbindung mit den Mahlzeiten.

Das kann mehrere Gründe haben: Grundsätzlich ein nicht geeignetes Futter (Trockenfutter, pflanzenreiches Futter) oder, wenn du barfst, kann das auch passieren, wenn du abends Knochen fütterst. Der häufigste Grund ist jedoch ein anderer: Die zu häufige Fütterung.

Der Tipp, der bei solchen Symptomen häufig kommt ist, besonders wenn der Hunds nachts/morgens erbricht: „Gib abends noch ein Leckerchen, das bindet die Magensäure“. Dieser Tipp ist manchmal sogar hilfreich, jedoch beseitigt er leider nicht die URSACHE des Problems.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, muss man sich nur mal vorstellen wie ein Wolf lebt:
Er jagt mit seinem Rudel zum Beispiel ein oder zwei Rehe. Jedoch nur 10% aller Jagtzüge führen dabei zum Erfolg. Wenn es aber geklappt hat mit der Jagt, frisst der Wolf sich RICHTIG satt. Und wenn ich sage so richtig satt, dann meine ich: Er frisst sich so voll, dass seine Inneren Organe sich sogar verschieben, weil der Magen so voll ist. Er kann auf einmal 20% seines Körpergewichtes verspeisen. Das sind bis zum 10 kg Fleisch pro Wolf. Ist das nicht irre?

Unglaublich – aber sinnvoll. Ist ja schließlich nicht gesagt, dass der Wolf bald wieder Beute macht, also muss das Verdauungssystem in der Lage sein sehr viel Nahrung aufzunehmen und diese schnell und effizient zu verdauen. Damit ist dann erst mal eine Zeitlang vorgesorgt.

Und nach dem Fressen? Legt er sich in die Sonne und pennt. Und zwar nicht nur 2-4 Stunden bis zum Abendessen oder zum Nachmittagstraining. Manchmal dauert es TAGE bis wieder Nahrungsnachschub kommt. Das kann der Wolf ab. Und der Hund könnte das auch, wenn wir ihn ließen.

Der Magen des Hundes ist ein großer elastischer Sack, der im leeren Zustand klein zusammengezogen im Bauch liegt. Ist das Essen verdaut, ruht das Verdauungssystem. Im Magen befindet sich nur wenig Magensäure, Galle wird nicht ausgeschüttet genauso wenig, wie die Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse.

Unse Sofawolf bekommt aber (übrigens genau wie wir Menschen 😉 ) oft viel zu häufig Nahrungsnachschub. Da gibt’s neben Frühstück und Abendessen noch hier mal ein bisschen was vom Tisch und da mal ein Leckerchen weil er so süß schaut. Außerdem kann er ja so toll Sitz machen, Tante Frieda bringt auch noch ein Leckerchen am Hoftor vorbei und zum Nachmittagstraining braucht man ja auch was zum Belohnen.

Das Verdauungssystem kommt also tagsüber vielleicht mal für 1-2 Stunden zur Ruhe. Das führt dazu, dass das komplette Verdauungssystem ständig in Hab-Acht-Stellung ist. Es KÖNNTE ja jederzeit wieder Nachschub kommen! Spätestens nach 3-5 Stunden werden wieder ordentlich Verdauungssäfte (Speichel, Magensäure, Enzyme aus Galle und Bauchspeicheldrüse) ausgeschüttet, denn es gibt ja ganz sicher bald wieder was. Nun – wenn es dann aber Nacht ist – kann es sein, es kommt eben nichts. Weil Herr oder Frau Mensch nämlich noch schläft. Und DANN, kann es eben zum nächtlichen Erbrechen von Magensäure kommen.

Die ständige Bereithaltung der Verdauungssäfte kann aber zu noch mehr Problemen führen, wie z.B. Sodbrennen (was dann eben die Leckanfälle, das ständige Gähnen oder sonstige Äußerungen von Bachweh auslösen kann) oder langfristig eben auch Diabetes (weil die Bauchspeicheldrüse nie zur Ruhe kommt).

Deshalb ist MEIN TIPP bei diesen Symptomen oder besser, schon vorher: Füttere nur 1-2x täglich im Rahmen von 3 Stunden (also zu unterschiedlichen Zeiten, damit sich der Hund/das Verdauungssystem nicht drauf einstellen kann) und dazwischen gibt es NICHTS. Wenn du trainieren möchtest, kannst du das Training direkt vor die Fütterung legen. Und wenn es mittags doch noch etwas zum Kauen geben soll, dann nicht jeden Tag sondern nur unregelmäßig.

Ich mach das so: Die erste Futterration gebe ich zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Mal direkt nach dem Aufstehen, mal bevor ich die Kinder in die Schule bringe, mal erst danach. Dann ist Fresspause mindestens 5-6 Stunden gibt es NICHTS. An machen Tagen gibt es dann gegen 11-14 Uhr Uhr einen Kauartikel (getrockneter Rinderpansen oder getrocknete Haut). Dann wieder etwa 5 Stunden nichts. Abendessen gibt es zwischen 17 und 20 Uhr.

Und wenn das Hundetier zwischendrin hungrig schaut? Dann nimmt dir doch etwas Zeit und kraul es mal kräftig durch, spiel mit ihm oder gehe eine Runde spazieren. Das ist auf Dauer einfach gesünder.

Achte mal drauf: Hat dein Hund die oben beschriebenen Symptome? Wie oft am Tag gibst du deinem Hund etwas zu essen? Wie lang sind die Pausen dazwischen? Schreib es in die Kommentare. Ich bin gespannt!

Wer schreibt hier?

Ich bin Yvonne Bach. Lebenslustig, pragmatisch, ehrlich. Verheiratet. Mama von zwei tollen Kindern und Besitzerin einer Setter Dame aus italien. Seit 2008 berate ich Tierhalter als Tierhomöopathin und habe mich 2018 auf die gesunde Ernährung von Hund und Katze spezialisiert.
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