Ist gesundes Welpen- & Kittenfutter …

eine Wissenschaft für sich? Wenn du ins Regal des Tierhandels schaust – scheinbar ja. Hier stehen unzählige Futtermittel die offensichtlich extra für Katzen- und Hundewelpen entwickelt wurden. Das muss ja einen Grund haben. Oder?

Benötigen junge Hunde- & Katzen spezielles Futter?

Ich frage mal zurück: Hast du Kinder? Oder – kennst du jemanden der Kinder hat? Werden oder wurden diese Kinder während des Wachstums mit “spezieller Kindernahrung” gefüttert? Brauchen sie zu jeder Mahlzeit Fertiggerichte die mit extra viel Calcium, Antioxidantien oder Vitaminen angereichert sind?

Eher nicht. Oder?

Also ich für meinen Teil gebe meinen Kindern auf jeden Fall nichts anderes, als das, was ich selbst auch esse. Klar, achte ich darauf, dass ich sie einigermaßen gesund ernähre: Viel Gemüse, viel Eiweiß, etwas Obst, wenig, aber hochwertiges Fleisch aus guter Herkunft, möglichst wenig Kohlenhydrate, überwiegend Vollkornprodukte. Das ist eine gesunde, hochwertige, nahrhafte und sozusagen “artgerechte” Ernährung für uns Menschen, denn wir sind “Allesfresser”.

Die artgerechte Ernährung für junge Hunde und Katzen

Schauen wir uns doch mal an wie Welpen in der Natur ernährt werden:

Wölfe, die Vorfahren unseres Hundes, sind Beutefresser. Fangen Wölfe für ihre Jungtiere vielleicht Kaninchen mit extrahohem Calciumanteil für “ein gesundes Knochenwachstum”? Natürlich nicht.

Wolfswelpen fangen schon während des Säugens, ab einem Alter von etwa 3 Wochen an, vorverdautes und wieder hochgewürgtes Futter aus dem Maul ihrer Mutter aufzunehmen. So gewöhnen sie sich langsam an feste Nahrung. Mit 6 Monaten können die jungen Wölfe selbstständig jagen. Sie fressen die ganze Zeit exakt das Gleiche wie das ganze Rudel.

Bei Wildkatzen verhält es sich ähnlich. Als Fleischfresser sind sie sogar noch mehr als der Hund auf hochwertige frische Beute angewiesen. Sie lernen die Jagt und das Erlegen des Beutetiers spielerisch vom Muttertier und fangen gleich am frischerlegten Beutetier an mitzufressen. Mit 8 Wochen können sie selbständig jagen.

Woraus besteht ein typisches Beutetier?

Es besteht vorwiegend – zu ca. 70 % – aus Flüssigkeit. Das ist gerade für Katzen äußerst wichtig. Gefolgt von Muskelfleisch, Innereien, Knochen und zu gaaanz geringen Teilen sind im Beutetier auch pflanzliche Reste im Verdauungstrakt zu finden. Diese werden aber nicht immer mitgefressen. Wölfe schütteln den Pansen oft aus oder lassen ihn sogar komplett liegen.

Fell, Hufe, Krallen usw. sowie bindegewebige und knorpelige Teile und auch die die pflanzlichen Futterreste im Beutetier sind für Hund und Katze schwerverdauliche Ballaststoffe. Sie machen im natürlichen Futter bei der Katze nur etwa 5% aus, beim Hund etwa 20 %.

Und ja – diese Ballaststoffe erfüllen durchaus ihren Zweck bei der Verdauung. Nämlich indem sie den Darm durch ihr Volumen bei der Arbeit unterstützen. Sie sollten jedoch nicht mehr als 30 % des Gesamtfutters ausmachen, da sonst das gesamte Futter nicht mehr richtig verdaut werden kann.

Ein gut verdauliches Futter für einen Hund sollte vor allem aus Feuchtigkeit, FLEISCH, INNEREIEN (Leber, Herz, Niere, Milz und Lunge) und maximal 30 % pflanzlichen Bestandteilen bestehen.

Für die Katze setzt es sich ähnlich zusammen, wobei hier der pflanzliche Anteil sogar unter 10% liegen sollte! 

Und was ist drin, im typischen Fertigfutter für Welpen?

Ich habe einfach mal Google angeworfen und nach “Welpenfutter” und “Kittenfutter” gesucht. Dabei ist mir aufgefallen: Viele Welpenfuttersorten präsentieren sich in zartem Babyrosa. Das ist pures Marketing, genau wie die tollen Versprechungen auf der Verpackung!

Da kommt ein Baby in die Familie, das ist emotional – da werden Elterninstinkte geweckt. Man will dieses neue Leben, dieses kleine niedliche Wesen beschützen und so gut versorgen wie es nur geht. Leider ist oft genau in diesen rosafarbenen Verpackungen mit den großen Versprechen nichts sinnvolles drin.

Ein Beispiel ist ein “ausgewogenes Trockenfutter” für den 4. bis 12. Lebensmonat mit “Antioxidantienkomplex”. Enthalten ist viel getrocknetes GeflügelPROTEIN gefolgt von Reis, Pflanzenproteinisolat, MAISfuttermehl, WEIZENfuttermehl, MAISkleberfutter, Hefe, Rübentrockenschnitzel und noch mehr Hefe.

Abgesehen davon, dass dieses Futter voll von pflanzlichen Bestandteilen und potentiellen Allergieauslösern wie Mais, Weizen und Hefen ist, solltest du dich nicht der Illusion hingeben, dass “PROTEIN” in einem Trockenfutter, egal von welchem Tier es stammt, etwas besonders wertvolles für Hund oder Katze wäre.

Tatsächlich ist “getrocknetes Protein” einfach alles, was nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.  Hühnerfüße, Köpfe, Federn, Gedärme, bindegewebige und knorpelige Teile.

All das, was weder der Mensch mag, noch für den mittlerweile sehr lukrativen Barf-Markt weiterverkauft werden kann, wird getrocknet und pulverisiert und findet schließlich seinen Platz im Trockenfutter.

Ein weiteres Beispiel: Ein Nassfutter mit dem Aufdruck “REICH AN GEFLÜGEL” und “Reich an hochwertigem Fleisch”. Enthalten sind: Fleisch und tierische Nebenprodukte davon ganze 14 % (!) Geflügel. Der Rest besteht aus pflanzlichen Nebenerzeugnissen. Genauer ist der Inhalt nicht beschrieben.

Und ein letztes Beispiel: Ein “getreidefreies Trockenfutter” und “mit wertvollen Kohlenhydraten”. Es enthält 22% LammPROTEIN. Der Rest des Futters (also ganze 78 %) besteht aus Kartoffeln und Erbsen sowie vielen vielen Kräutern, die in einem Hauptfutter für einen Beutefresser auch eher eine zweifelhafte Daseinsberechtigung haben.

Bitte schau dir die ZUSAMMENSETZUNG des Futters an

Ja, es gibt auch durchaus gute Fertigfuttersorten. NASSFUTTER-Sorten wohlgemerkt. In Trockenfutter ist IMMER zu viel pflanzliches drin.

Bedenke bitte: Auch wenn es kein Getreide ist, die Verdauung deines Vierbeiners verlagert sich bei der dauerhaften Fütterung von mehr als 40% pflanzlichen Futterbestandteilen schon in jungen Jahren in den falschen Darmabschnitt. Der Körper kann regelrecht verlernen natürliches Futter richtig zu verdauen, weil er bestimmte Enzyme einfach nie einsetzen muss.

Aber selbst, wenn du einen guten Hersteller gefunden hast. Lies dir auf JEDER Dose die Zusammensetzung durch. Selbst bei einer Futterlinie desselben Herstellers kann die Zusammensetzung von Sorte zu Sorte total variieren.

Wirklich hochwertige Nassfuttersorten unterschieden tatsächlich meist GAR NICHT in Welpen-, Erwachsenen und Seniorfutter. Hier wird nur EIN Futter für ALLE Altersstufen angeboten. Ein Futter, dass sich ungefähr nach dem Aufbau eines Beutetieres richtet, erfüllt nämlich automatisch alle Bedürfnisse von Hunden und Katzen, in jedem Alter.

Und wie wird der erhöhte Nährstoffbedarf eines Welpen gedeckt?

Über die FUTTERMENGE! Ein Welpe frisst im Gegensatz zu einem erwachsenen Tier das Vielfache im Verhältnis zu seinem Körpergewicht. Und so deckt er eben nicht nur den erhöhten Calciumbedarf sondern den Bedarf ALLER Nährstoffe, die während des Wachstums benötigt werden.

Ein mittelgroßer Junghund wird dir mit 6-8 Monaten förmlich die “Haare vom Kopf” fressen. Im zweiten Lebensjahr pendelt sich das aber normalerweise ein.

Was soll ich denn jetzt füttern?

Es gibt durchaus einige empfehlenswerte Futtersorten aus dem Fertigbereich auch für Welpen. Ich habe hier völlig willkürlich (und ohne finanzielle Vorteile) je zwei Futterherstellern und Sorten ausgewählt, die ich empfehlen kann. Vergleiche bitte selbst die Zutaten gegenüber den Futtersorten oben. Fällt dir was auf?

Und ja – gibt noch viele weitere Futtersorten auf dem Markt die ebenfalls supergut sind. Kennst du eines? Schreib mir doch die Marke mal in den Kommentar. Ich schaue es mir gerne an!

Empfehlenswerte Katzenfuttersorten (auch für Kitten):

Catz Finefood
Zusammensetzung am Beispiel Geflügel: Geflügel 69% (bestehend aus Muskelfleisch, Herz, Magen, Leber und Hals), Trinkwasser (26,85%), Preiselbeeren (2%), Löwenzahn (1%), Mineralstoffe (1%), Distelöl (0,15%).

Sandras Schmankerl
Zusammensetzung am Beispiel Hühnertopf: 94% Huhn (31% Hühnerfleisch, 21% Hühnerherzen, 16% Hühnerleber, 11% Hühnermägen, 11% Hühnerhälse, 10% Hühnerhaut), 6% Möhrchen.

Empfehlenswerte Hundefuttersorten (auch für Welpen):

Mirals
Zusammensetzung am Beispiel Huhn: 60% Huhn (40% Muskelfleisch, 15% Herz, 5% Leber, Trinkwasser), Mango, Karotte, Himbeere, Mangold, Chia Samen, Nachtkerzenöl, Salbei, Rosmarin.

Mac’s
Zusammensetzung am Beispiel Hühnchen & Cranberry: Fleisch (min. 70% Hühnchen) und tierische Nebenerzeugnisse (Hühnchenherzen, Hühnchenmagen, Hühnchenleber, Hühnchenhälse), Kartoffel (3%), Cranberry (2%), Mineralstoffe, Leinöl (0,2%), Grünlipp-Muschel (0,1%)

Man kann auch Welpen und Kitten barfen

Ja, es gibt auch die Möglichkeit einen Welpen gleich auf die Fütterung von rohem Fleisch umzustellen. Füttert man nach dem Beutetierprinzip (baut also ein Beutetier nach), dann unterscheidet sich die Ration nur wenig von der eines erwachsenen Hundes.

Man kann zunächst mit gewolften und weichen Knochen (von kleinen Tieren, mit wenig Calciumanteil) anfangen. In diesem Fall wird dann auch mehr Knochen gefüttert. Aber nur, um den geringeren Calciumanteil der weichen Knochen aufzufangen. Auch die Jodmenge (Seealgenmehl) wird etwas großzügiger berechnet als beim erwachsenen Tier, im Verhältnis zum Körpergewicht.

Immer mehr Züchter barfen mittlerweile selbst. Doch auch, wenn dein Welpe noch kein rohes Fleisch kennt, kann man meist völlig problemlos und schnell auf BARF umstellen.

Warum barfen viele Vorteile bietet habe ich in einem weiteren Blogartikel zusammengefasst

Wie und wann kann ich das Futter umstellen?

In Ruhe. Lass dein Tier erst mal bei dir ankommen. Der Züchter/Vorbesitzer wird dir sicher das gewohnte Futter mitgeben und egal wie schlecht es ist – füttere es erst mal weiter, wenn es gefressen wird.

In den ersten Tagen gibt es so viel zu verarbeiteten für dein neues Familienmitglied. Mama und Geschwister fehlen. Es muss sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtfinden und mit völlig neuen Menschen klarkommen. Hier sollte man nicht gleichzeitig noch eine Futterumstellung vornehmen. Nach etwa 2 Wochen, wenn etwas Ruhe und Routine eingekehrt ist und dein Tier sich an euch und die neue Umgebung gewöhnt hat kann man dann das Futter immer noch umstellen.

Wie? Du gibst einfach ab einer bestimmten Mahlzeit das neue Futter. Es bedarf normalerweise bei so jungen und gesunden Tieren noch keiner großen Umstellungsphase und man sollte auch keine Mahlzeit ausfallen lassen.

Bei der Umstellung von Trockenfutter auf die rohe Fütterung, würde ich trotzdem entweder schrittweise vorgehen oder den Umweg über ein hochwertiges Nassfutter wählen.

Anders ist es natürlich, wenn dein Welpe Verdauungsprobleme hat. Hier muss man individuell schauen.

Wie viel und wie oft muss ich füttern?

Das lässt sich nicht so pauschal sagen. Es kommt auf das Alter, die Rasse und den individuellen Bedarf an. Füttere aber unbedingt mehrmals täglich kleine Portionen. Dein Tier sollte weder hungern, noch nach der Fütterung mit kugelrundem Bauch ins “Verdauungskoma” fallen.

Katzenkinder

Bei Kitten hat es sich bewährt, im ersten Jahr das Futter nach dem Motto “All-you-can-eat” bereitzustellen. Das geht aber nur bei Futtersorten ohne Lockstoffe! Mit hochwertigem Frischfutter funktioniert es, besonders im Sommer oder bei mehreren Katzen noch besser, wenn einen/mehrere Futterautomaten (ggf. mit Kühlung) aufstellet. Wenn man die Möglichkeit hat, kann man auch 6-8 x täglich eine kleine Portionen Nassfutter oder Barf anbieten.

Auch erwachsene Katzen sollten noch 3-4x täglich Futter bekommen. Die Anschaffung eines hochpreisigeren Futterautomaten kann sich also durchaus lohnen, besonders wenn man die Katze(n) nur in der Wohnung hält und täglich arbeiten gehen muss.

Hundekinder

Hundewelpen bis 16 Wochen werden 3-4x täglich gefüttert. Im Normalfall füttert man mit 16 Wochen 3x täglich, ab 6 Monaten 2x täglich. Mit einem Jahr kann man auch auf die 1x tägliche Fütterung umstellen, wenn man das möchte und der Hund es verträgt.

Wie oft die Futtermenge bei Hunden angepasst werden muss, hängt vor allem von der Rasse ab. Ab 25 kg Endgewicht muss man während der Wachstumsphase die Futtermenge sehr viel öfter anpassen, als bei einem Hund der unter 10 kg bleibt. Man startet bei einem Welpen oder Junghund unter 6 Monaten meist mit einer Futtermenge von etwa 5-6% des Körpergewichts und schaut dann, wie der Hund sich entwickelt. Das ist sehr individuell.

Woher weiß ich, ob ich zu viel oder zu wenig füttere?

Ich bin ein Verfechter davon sich das Tier immer wieder gut anzuschauen. Auch ein Welpe darf nicht fett sein. Man muss sein Tier aber auch nicht  “großhungern”. Kann man die Rippen gut ertasten, aber nicht sehen, wenn Hund oder Katze entspannt und gerade vor einem stehen? Ist das Tier nach der Futteraufnahme zufrieden und agil? Dann ist es gut!

Hast du noch mehr Fragen? Schreib sie gerne unter diesen Beitrag oder buche einen kostenlosen Kennenlerntermin mit mir.

Wer schreibt hier?

Ich bin Yvonne Bach. Lebenslustig, pragmatisch, ehrlich. Verheiratet. Mama von zwei tollen Kindern und Besitzerin einer Setter Dame aus italien. Seit 2008 berate ich Tierhalter als Tierhomöopathin und habe mich 2018 auf die gesunde Ernährung von Hund und Katze spezialisiert.
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